Es dürfte niemanden wundern, dass Wagner auch bei Arthur
Schnitzler auftaucht, was im Hinblick auf sein gesamtes Werk untersucht werden
müsste. Hier nur ein paar Zeilen zu seiner Erzählung Flucht in die
Finsternis, in der
minutiös erzählt, wie Robert, ein an sich pflichtbewusster Beamter, nach und
nach wahnsinnig wird. Einen Abend verbringt er mit Freunden in einer Bar, wo
sie einem „Nachtpianisten“ lauschen, der ‚unermüdlich Opernarien, Tänze Lieder
aufs feinste harmonisiert, mit zwanglosen Übergängen vortrug.’ Tagsüber
arbeitet er als Sparkassenbeamter! Zu später Stunde: „Der Klavierspieler
phantasierte über Themen auf Wagnerschen Opern in parodistischem Walzertempo.
Irgend etwas längst vergangenes zog durch Roberts Sinne. Vor vielen Jahren, zu
Beginn seiner Ehe, war er einmal während einer Tristan-Aufführung mit seiner
jungen Gattin in der verdunkelten Loge sehr zärtlich gewesen. Es war ihm nun in
der Erinnerung, als hätte er sie damals unendlich geliebt [...].“ Sein Leben
wäre vielleicht anders verlaufen, wenn seine Frau nicht so junge gestorben
wäre. „Trotz dieses wehmütigen Einfalls fühlte er sich ganz behaglich und
merkte, dass er mit der Hand sanft zum Klavierspiel den Takt schlug.“ Als ein
Freund fragt, was er habe, sagt er nur: „Mir ist was Komisches eingefallen.“
Zärtlichkeiten während einer Tristan-Aufführung, dieses Motiv kommt auch
andernorts vor (etwa bei Joséphan Péladan). Hier ist festzuhalten, dass Wagner
wieder einmal mit Wahnsinn in Verbindung gebracht wird.
(vgl. Arthur Schnitzler. Erzählungen. Zürich. Manesse. 1994. S. 514f.)
(vgl. Arthur Schnitzler. Erzählungen. Zürich. Manesse. 1994. S. 514f.)