Sonntag, 7. Mai 2017

Ungeheure Wirkung


In Sachen Wagner gibt es noch viel zu untersuchen. Oder hat schon jemand darüber geschrieben, wann Wagnermusik bei offiziellen oder privaten Trauerfeiern gespielt wurde? Ein Beispiel: bei der Trauerfeier für Walter Rathenau im deutschen Reichstag. Darüber schrieb Harry Graf Kessler in seinem Tagebuch am 27. Juni 1922: „Die Musik, die hinter dem Sarge in der Vorhalle unsichtbar aufgestellt war, spielte die Egmont Ouvertüre, den wildbewegten Volksaufstand u. die süße, heimliche Liebesweise, und dann sprach Ebert vor den Sarg hintretend, sehr leise, vor Bewegung kaum hörbar, aber schön. Nach im sehr klar u. packend Bell für den Reichstag, schließlich mittelmäßig für die Demokratische Partei ein Pastor Korell. Dann spielte die unsichtbare Musik den Trauermarsch aus der Götterdämmerung auf den erschlagenen Siegfried, und dieses war gewiss gefühlsmäßig der Höhepunkt der Feier im Saal. Die Wirkung war aus den Umständen heraus ungeheuer. Man hörte Schluchzen. Viele um mich herum weinten, das Weltgeschichtliche dieses schicksalsschweren Todes schwebte in der Musik durch die Seelen.“ Mögliche Fragen dazu: Wie wirkte die Wagnersche Musik bei solchen Augenblicken? Welche Musik darf / kann außer der von Wagner bei einer Trauerfeier gespielt werden? Beethoven gewiss, Johann Strauß gewiss nicht...