Freitag, 26. August 2016

Ein Wahnsystem

Immer wieder finden wir Richard Wagner im Umfeld von Geisteskrankheit und Wahn. Über Karl Junker (1850 – 1912) schrieb Hartmut Kraft: „Es stellte ich heraus, dass Junker ein vollkommenes Wahnsystem hatte.“ Wie dies beschaffen war, soll hier nicht weiter interessieren. Junker war wie einige andere ein begnadeter Künstler, der aber eigentlich in die Psychiatrie gehörte. Über sich selbst und seine Kunstwerke sagte er: „Ich werde einen neuen Stil finden; man wird mich vielleicht nicht gleich verstehen; es wird mir ergehen wie Richard Wagner und seiner Musik; aber später, nach fünfzig, vielleicht erst nach hundert Jahren wird man erkennen, was ich war.“ Wagner musste nicht solange warten. Junker wartet immer noch...

(vgl. Hartmut Kraft: Grenzgänger zwischen Kunst und Psychiatrie. Köln. Dumont. 1986. S. 37 – 39)

Freitag, 19. August 2016

Zu viel Wagner macht wahnsinnig


Die Erzählung Im Venusberg“ von Pierre Louÿs beginnt folgendermaßen:
Im Monate August 1891 kam ich, nachdem ich in Bayreuth Tannhäuser, Tristan und Isolde, die Meistersinger und zum neuntenmale den Parsifal gehört hatte, nach Marienthal bei der alten Stadt Eisenach, wo ich vierzehn Tage verblieb.“
Nach so viel Wagner ist der Blick getrübt, der Wahnsinn nicht fern. Da wird der Zeselberg zum Venusberg und sieht aus wie eine nackte Frauenbrust’. Die Abendröte gab ihm manchmal ein fleischfarbenes Ansehen.“ Und es endet wie es enden muss: Der Erzähler landet in der Venusgrotte und hört Stimmen...

Autobiographisch? Pierre Louÿs (1870 – 1921. Sein bekanntester Roman: Dieses obskure Objekt der Begierde / La femme et le Pantin) war im August 1891 tatsächlich in Bayreuth. Nachzulesen in Le Voyage artistique à Bayreuth von Albert Lavignac (verschiedene Ausgaben), der im Anhang seines Buches alle französischen Bayreuthbesucher in den ersten Jahren auflistet. Die Erzählung findet man im Gutenberg-Projekt: http://gutenberg.spiegel.de/buch/im-venusberg-und-andere-novellen-6547/1