Ausgehend von Nietzsches Satz: "Diese (Menschen) verlangen nach Wagner als nach einem
Opiat", kommt Jean Clair zu diesen Schlussfolgerungen: "Doch handelt es sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Auftauchen des Wagnertums um eine gänzlich andere, paradoxe medikamentöse Wirkung: Die Musik, die die Wachsamkeit der Vernunft einschläfert und den starken Menschen schwächt, kann auch den Gesunden krank machen, sie greift die Physis des normalen Menschen an. Weit von einer Heilung der Auswirkungen entfernt - wird Freud nicht bald sagen, die Kunst sein eine 'leichte Hypnose' - , ist sie vielmehr die Ursache der Symptome, anhand derer man einen melancholischen Anfall diagnostiziert, bis hin zu Darmstörungen, unter denen die Hypochonder leiden..."
Zit. nach: Jean Clair: Musik und Melancholie. In: Melancholie. Genie und Wahnsinn in der Kunst. Ausstellungskatalog. Neue Nationalgalerie Berlin. 2006. S. 245.
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