Dienstag, 1. März 2016

"Wagner stinkt nach Sex"



Hat schon jemand ausführlich über Wagner im Werk und Leben von James Joyce geschrieben? Es ist anzunehmen. Hier nur kleine Hinweise. Beim Weißwein attackierte Joyce seinen Freund Schwarz, der allzu sehr Wagner lobte: „Wagner puzza di sesso“ („Wagner stinkt nach Sex“). „Bellini, sagte er, sei viel besser.“ Als er das Sirenenkapitel beendet hatte, sagte er zu George Borach: „Ich habe dieses Kapitel mit den technischen Mitteln der Musik geschrieben. Es ist eine Fuge mit allen musikalischen Zeichen: piano, forte, rallentando, usw. Ein Quintett kommt auch darin vor, wie in den Meistersängern der Oper Wagners, die ich bevorzuge“. Die Walküre mochte er nicht sonderlich. Zum Liebeslied Winterstürme wichen dem Wonnemond: „Der Wohlklang des Liedes zeuge von schlechtem Geschmack [...]. ‚Können Sie sich diesen altdeutschen Helden vorstellen, wie er seinem geliebten Mädchen eine Schachtel Schokolade überreicht?’“ Dies fragte er seinen Freund Ottocaro Weiss in der Pause. Weiss aber lobt Wagner überschwänglich. Joyce: „Finden Sie die musikalischen Effekte meiner Sirenen nicht besser als die Wagners?“ Weiss ist nicht dieser Meinung. Joyce lässt ihn sitzen und verlässt die Oper. Vielleicht hat er deswegen, so vermutet Richard Ellmann, in der Circe-Episode eine Szene der Oper „halb kopiert, halb parodiert“. Siegmund zieht das Schwert aus der Esche, „Joyce lässt Stephen Dedalus im Bordell seinen Eschenstock mit entsprechender Großsprecherei hochheben, um dann damit nur den Bordelllampenschirm niederzuschlagen.“ Joyce macht sich auch über die Szene lustig, „in der Siegmund Sieglinde erklärt, warum er den Namen Wehwald wählte und sie mit fragende Frau anspricht. Joyce macht dann aus diesem Text seine eigene Version: ‚Hangende Hunger, / Fragende Frau, / Macht uns alle kaput’“. Wie man sieht, habe ich mich der Joyce-Biographie von Richard Ellmann bedient*; mit Hilfe des Registers. Über das aber schrieb Arno Schmidt: „Aber wie viel Stellen, an denen er [Wagner] oder seine Werke erwähnt werden, mögen fehlen?!“** Schmidt fand noch drei weitere Stellen, die nicht im Register auftauchen. Ich melde mich wieder, wenn ich diese Biographie gelesen habe und etwas zu den weiteren Stellen sagen kann...
* Richard Ellmann: James Joyce. Ffm. Suhrkamp Taschebuch. 1979. S. 591, 704f., 933.
** A. Schmidt: Das Leptothe=Herz. 16 Erklärungen zur Lage der Literaturen. Zürich. Haffmanns. 1987. Hier sein Aufsatz über die deutsche Übersetzung der Joyce-Biographie. S. 119.