Hat schon
jemand ausführlich über Wagner im Werk und Leben von James Joyce geschrieben?
Es ist anzunehmen. Hier nur kleine Hinweise. Beim Weißwein attackierte Joyce
seinen Freund Schwarz, der allzu sehr Wagner lobte: „Wagner puzza di sesso“
(„Wagner stinkt nach Sex“). „Bellini, sagte er, sei viel besser.“ Als er das
Sirenenkapitel beendet hatte, sagte er zu George Borach: „Ich habe dieses
Kapitel mit den technischen Mitteln der Musik geschrieben. Es ist eine Fuge mit
allen musikalischen Zeichen: piano, forte, rallentando, usw. Ein Quintett kommt auch darin vor,
wie in den Meistersängern der Oper Wagners, die ich bevorzuge“. Die Walküre mochte er nicht sonderlich. Zum
Liebeslied Winterstürme wichen dem Wonnemond: „Der Wohlklang des Liedes zeuge von
schlechtem Geschmack [...]. ‚Können Sie sich diesen altdeutschen Helden
vorstellen, wie er seinem geliebten Mädchen eine Schachtel Schokolade
überreicht?’“ Dies fragte er seinen Freund Ottocaro Weiss in der Pause. Weiss
aber lobt Wagner überschwänglich. Joyce: „Finden Sie die musikalischen Effekte
meiner Sirenen nicht
besser als die Wagners?“ Weiss ist nicht dieser Meinung. Joyce lässt ihn sitzen
und verlässt die Oper. Vielleicht hat er deswegen, so vermutet Richard Ellmann,
in der Circe-Episode
eine Szene der Oper „halb kopiert, halb parodiert“. Siegmund zieht das Schwert
aus der Esche, „Joyce lässt Stephen Dedalus im Bordell seinen Eschenstock mit
entsprechender Großsprecherei hochheben, um dann damit nur den
Bordelllampenschirm niederzuschlagen.“ Joyce macht sich auch über die Szene
lustig, „in der Siegmund Sieglinde erklärt, warum er den Namen Wehwald wählte
und sie mit fragende Frau anspricht. Joyce macht dann aus diesem Text seine
eigene Version: ‚Hangende Hunger, / Fragende Frau, / Macht uns alle kaput’“.
Wie man sieht, habe ich mich der Joyce-Biographie von Richard Ellmann bedient*;
mit Hilfe des Registers. Über das aber schrieb Arno Schmidt: „Aber wie viel
Stellen, an denen er [Wagner] oder seine Werke erwähnt werden, mögen
fehlen?!“** Schmidt fand noch drei weitere Stellen, die nicht im Register
auftauchen. Ich melde mich wieder, wenn ich diese Biographie gelesen habe und
etwas zu den weiteren Stellen sagen kann...
* Richard
Ellmann: James Joyce. Ffm. Suhrkamp Taschebuch. 1979. S. 591, 704f., 933.
** A.
Schmidt: Das Leptothe=Herz. 16 Erklärungen zur Lage der Literaturen. Zürich.
Haffmanns. 1987. Hier sein Aufsatz über die deutsche Übersetzung der
Joyce-Biographie. S. 119.