Freitag, 25. September 2015

Wagner ist unheimlich


In den Geschichten von Roda Roda (d. i. Alexander Friedrich Rosenfeld. 1872 – 1945) begegnet uns Wagner gleich zwei Mal. Die erste Geschichte ungekürzt:

„Prinzregententheater
Der alte Eisenstein erzählt: ‚Ich war gestern abend in die Festspiele, im Parsifal. Um sechs bin ich hingegangen. Und der erste Akt hat gedauert – gedauert - - wie ich um Mitternacht herauskam, war es halb acht’“

Um Mitternacht? Halb acht? Ziemlich unheimlich! So auch in „Blümelhubers Begegnungen mit Richard Wagner“: Wagner als Geist im Palazzo Vendramin. Der Maler Blümelhuber darf dort, lange nach Wagners Tod,  malen und ist etwas indigniert, als ihn ‚eine kleine gedrungene Gestalt mit an Barett, an seidenen Schlafrock und rosa Seidenhosen’ bei der Arbeit stört. Der will sich dann auch noch mit ihm unterhalten, über „Gott und die Sterblichen“. Blümelhuber verbittet sich das. Dem Gespenst fällt dann der Kopf von den Schultern in den Kanal... „Drauf ist er nimmer wiederkommen. Wahrscheinlich war er beleidigt. – Aber i kann natürlich net mit an jeden herumdischkutieren, wenn i a dringende Arbeit hab.“
(zit. nach: Roda Roda erzählt. Reinbek 1993. S. 130 – 133)