Es dürfte nicht leicht
gewesen sein, in Paris so kurz nach dem Krieg Wagner zu inszenieren. Doch schon
1947/48 wurden die Meistersinger, die
Walküre und Tristan und Isolde (allerdings in französischer Sprache) mit großen
Erfolg aufgeführt. Der französische Komponist und Musikkritiker Gustave Samazeuilh (1877 - 1967), von dem wohl auch die Übersetzung stammt, berichtet darüber. Das Wagnerische Musikdrama
habe nicht von der Herrschaft über das Publikum verloren, auch wenn es nach
1944 erneuert worden sei. Was er mit dieser Erneuerung meint, wird allerdings
nicht genau ausgeführt. Er spricht von einer vollständigen szenischen Erneuerung.
Nach ‚zehn grausamen Jahren ist uns der Tristan als eines der größten Werke
erschienen, das sich eines der größten Genies der Musikproduktion sich
ausgedacht habe. Aufs Neue schwebt es über unseren Streitigkeiten und Differenzen.
Weit davon entfernt, über uns ein schädliches Gift auszuschütten, hat es uns
ganz im Gegenteil eine Lektion der Unabhängigkeit gegeben.’ Am Ende seiner
Ausführungen, in denen er auch ausführlich auf die Leistungen der Sänger
eingeht (u.a. Kirsten Flagstad als Isolde) äußert er den Wunsch, dass nun auch
bald der Tannhäuser mit heutigen
Mitteln wiederaufgeführt werde.
(zit. nach Gustave
Samazeuilh: La saison 1947-1948 dans les théâtres lyriques. In: Almanach du théâtre
et du cinéma 1949. Paris 1948. S. 16 – 19)