Sonntag, 26. Februar 2017

Wagner in der Pathologie


Der Chirurg Carl Ludwig Schleich (1859 – 1922) berichtet in seinen Erinnerungen über die Zeit, als er bei Virchow in der Pathologie arbeitete. Damals kamen auch Ärzte aus China und Japan, um bei Virchow zu lernen. Als Schleich mal mit ihnen allein im Mikroskopiersaal war, sang er ihnen ‚mit seiner nicht üblen Tenorstimme’ Stellen aus dem Tristan, dem Lohengrin und den Meistersingern vor. Da kam Virchow zurück und schimpfte, das sei doch kein Raum für Bühnenreminiszenzen. Er solle das lieber künftig auf der Kegelbahn machen. Ob Schleich sich daran gehalten hat, ist nicht bekannt...

(vgl. Carl Ludwig Schleich: Besonnte Vergangenheit. Berlin. Rowohlt. 1920. S. 197)

Samstag, 4. Februar 2017

Eine neue Erfahrung

Auch Peter Handke (*1942) hat mal die Bayreuther Festspiele besucht: 1966, also mit 24 Jahren. Der Tristan stand auf dem Programm. Handke schreibt in seinem Buch Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt (1969) von einer neuen Erfahrung. Damit meint er aber nicht das Wagnererlebnis, sondern dass er zum ersten Mal eine Münze in einen Parkautomaten geworden habe. Und er ist stolz auf diese neue Erfahrung! Nachzuprüfen wäre, ob er vielleicht an anderer Stelle in seinem umfangreichen Werk über dieses oder ein späteres  Wagnererlebnis geschrieben hat.

(vgl. Karl Otto Conrady: Das neue deutsche Gedichtbuch. 1977. S. 1078)