Dienstag, 17. Oktober 2017

Wagner in Triest

Kann man Städte danach einteilen, wie man dort mit Wagner umgeht? Claudio Magris schreibt: „Auch im Musikleben nimmt Triest eine Sonderstellung ein: So wird zum Beispiel Richard Wagner hier weniger übersteigert, dafür aber mit mehr Sachverstand aufgenommen, als dies sonst beim italienischen Publikum der Fall ist.“ In seinem Buch über Triest (Co-Autor: Angelo Ara) taucht Wagner ein zweites Mal auf. Hier zitiert er Augusto Hermet der das „Bedürfnis“ proklamiert habe, „uns von der Schwere und Schwüle zu befreien, die uns im Blut liegt, durch die Milch unserer alten Ammen: Ibsen und Wagner, Baudelaire und Nietzsche, Poe und Dostojewski“. Von hier aus könnte man untersuchen, wo und von wem Wagner mit den Begriffen „Schwere und Schwüle“ in Verbindung gebracht wird.

(Vgl. Claudio Magris, Angelo Ara: Triest. Eine literarische Hauptstadt in Mitteleuropa. Aus dem Italienischen von Ragni Maria Gschwand. München. DTV. 2005. S. 62 + 163)

Dienstag, 3. Oktober 2017

Gute Musik

William Faulkner machte im Sommer 1925 eine Europareise. In Paris wohnte er einige Tage in einem Hotel in der Nähe des Jardin du Luxembourg. Dort lauschte er gerne den Militärorchestern. Am 22. September schrieb er in einem Brief an seine Mutter: "Und gute Musik lieben die Leute hier wirklich. Die Kapelle spielt Massenet und Chopin und Berlioz und Wagner, und alle Kinder sind still und lauschen..." Taxifahrer, Arbeiter und viele andere hören ebenfalls zu. Was sagt uns das: 1. In Paris durfte wieder öffentlich Wagner gespielt werden, was während des 1. Weltkriegs verboten war, sogar von Militärorchestern. 2. Wagner ist für Faulkner gute Musik.
(vgl. W. Faulkner: Briefe. Ausgewählt und aus dem Amerikanischen übersetzt von Elisabeth Schnack. Zürich. Diogenes. 1980. S. 39)