Sonntag, 5. April 2015

DADA



Manch einer hat es schon geahnt: Wagner war der erste Dadaist! Kein geringerer als Walter Mehring (1896 – 1981) schrieb, dass der erste Lautdichter Paul Scheerbarth mit seinem Gedicht „Kikakoku Ekoralaps“ gewesen sei. „Aber noch früher hat der sächsische Opernlibrettist Richard Wagner sein ‚Hojotoho-ho... Hojotoho-ho / Wiggalaweia... wiggalaweia’ geleiert.“ Mehring schrieb auch von den Provinzlern im wilhelminischen Deutschland, „die sich als Nibelungen aus Wagners Opern verkleideten“. Was wieder einmal zeigt, dass sich Wagner auf allen Kulturebenen eingenistet hat.
(vgl. W. Mehring: Verufene Maleri. Berlin Dada. Erinnerungen eines Zeitgenossen. Düsseldorf Claassen. 1983. S. 184, 243)

Mittwoch, 1. April 2015

Gedanken bim Tannhäuser-Vorspiel



Wir erleben derzeit einen rasanten Kulturverfall. Vieles, was früher als Kultur galt, verschwindet nach und nach. Am längsten werden sich Konzert, Oper und andere Musikveranstaltungen halten. Warum? Weil man beim Konzert oder in der Oper so schön seinen eigenen Gedanken nachhängen kann. Der dänische Schriftsteller Willy Breinholst (1918 – 2009) hat das in einer Glosse geschildert. Was denkt er beim Tannhäuser-Vorspiel? Er überlegt sich, wie er von der Galerie auf den Kronleuchter spränge. Wunderbar, auch wenn Sie und ich wohl andere Gedanken hätten...
(Vgl.: Willy Breinholst: Ein Besuch in der Oper. In: Die Allerschönsten Katastrophen. Hamburg. Hoffman & Campe. 1993. S. 337)