Freitag, 8. November 2019

Keine Struwwelpeter - Oper

Dr. Heinrich Hoffmann, der Verfasser des Struwwelpeter, war im Hauptberuf Psychiater. In seinen Lebenserinnerungen berichtet, dass er Mai 1872 von Dr. Falke zur Nervenheilanstalt St. Gilgenberg berufen wurde, um im Fall eines Geisteskranken seinen Rat zu geben. Er berichtet: "Ich wohnte in dem Gasthof 'Zur Phantasie', einem kleinen, freundlichen Hotel, welches der Herzog von Württemberg in seinem großen Park gebaut hatte. Über mir wohnte damals Richard Wagner mit seiner Gattin Cosima. Ich hörte sie über mir oft lebhaft reden, und mich hielt man sogar für den großen Meister..." Leider hat Hoffmann keinen Kontakt zu den Wagners aufgenommen, denn sonst hätte er sicherlich ihnen von seinem Struwwelpeter erzählt, und Wagner hätte am Ende sogar eine Struwwelpeter-Oper geschrieben...
(cf. Struwwelpeter-Hoffmann erzählt aus seinem Leben. Lebenserinnerungen Dr. Heinrich Hoffmanns, hg. von Eduard Hessenberg. Ffm. 1926. Verlag Englert & Schlosser. S. 175f.)


Montag, 4. November 2019

Gefährlicher Tristan


Wenn in Romanen oder Novellen Wagner auftaucht, dann oft in Zusammenhang mit Sängerinnen und Sängern. Ein Beispiel finden wir in Arthur Schnitzlers Novelle „Das Schicksal des Freiherrn von Leisenbohg“. ‚Da kommt Sigurd Ölse, ein Sänger aus dem Norden’, nach Wien, um an der dortigen Oper den Tristan zu singen. „Seine Stimme war hell und kräftig, wenn auch nicht durchaus edel, seine Gestalt beinahe übermenschlich groß, doch mit einer Neigung zur Fülle, sein Antlitz entbehrte im Zustand der Ruhe wohl manchmal des besonderen Ausdrucks; aber sobald er sang, leuchteten seine stahlgrauen Augen wie von einer geheimnisvollen inneren Glut, und durch Stimme und Blick schien er alle, besonders die Frauen, wie in einem Taumel zu sich hinzureißen.“ In diese Schilderung hat Schnitzler einige negative Töne eingefügt: Seine Stimme war nicht durchaus edel... Vor diesem Sänger muss man sich in Acht nehmen, was der Titelheld dieser Novelle zu spüren bekommt. Letztlich verursacht Sigurd Ölse seinen Tod. Kein Wunder: Beide lieben dieselbe Frau, die Sängerin Kläre Hell (Nomen est Omen?)
(Cf. Arthur Schnitzler: Dämmerseelen. Berlin 1908. S. 19)

Montag, 21. Oktober 2019

Wie der Parsifal entstanden ist


Charles Borach traf sich 1917 des Öfteren mit James Joyce in Zürich und plauderte mit ihm über Gott und die Welt. Dabei kam die Rede auch auf Wagner: Es gebe in der Weltliteratur kaum mehr als zwölf Urthemata, sagte Joyce, und sehr viele Kombinationen derselben. ‚Tristan und Isolde’ sei ein solches Urthema. „Wagner hat es immer abgewandelt, oft unbewusst, im Lohengrin, im Tannhäuser, und als er vermeinte, etwas ganz Neues zu behandeln, schrieb er den Parsifal.

Eintrag vom 15. Nov. 1917
Zit. nach Das James Joyce Lesebuch. Zürich 1979. S. 234

Donnerstag, 8. August 2019

Virginia Woolf über den Parsifal

We heard Parsifal yesterday – a very mysterious work, unlike any of the others. There is no love in it,
it is more religious than anything. People dress in half mourning, and you are hissed if you try to clap. ...
Between the acts, one goes and sits in a field, and watches a man hoeing turnips. The audience is very
dowdy, and the look of the house is drab.

Virginia Woolf, Bayreuth, 7 August 1909, Letter to Vanessa Bell


Gestern waren wir im Parsifal – es ist ein sehr mysteriöses Werk, nicht so wie die anderen.
Da gibt es keine Liebe, es ist religiöser als alles andere. Die Zuschauer tragen Halbtrauer, und man wird a
ngezischt, wenn man wagt zu klatschen. ... In den Pausen geht man raus und sitzt auf einem Feld und
schaut einem Mann zu, der Rüben hackt. Das Publikum ist sehr unelegant, und das Gebäude sieht

schäbig aus.


Impressum und Datenschutzerklärung, siehe Post vom 15 Mai 2018.