Donnerstag, 29. Dezember 2016

Das geht an die Nieren


Vermutlich hat das schon jemand beackert: Richard Wagner im deutschsprachigen Kabarett. Hier nur ein kurzer Hinweis auf Jürgen von Manger-Koenig (1923-1994), der als Ruhrpott-Komiker mit dem Bühnennamen Adolf Tegtmeier viele Menschen erfreut hat. Den Lohengrin hat er auch gesehen und darüber berichtet. Er muss aber grundsätzlich sagen: „Jedenfalls mir geht dieser Richard Wagner schwer an de Nieren.“ Aber seine Musik ist für ihn dann doch „richtig edel“, „Man will ein besserer Mensch werden“. Wagner hat „geheimnisvolle Kräfte“. So ne Oper, ganz toll: „Wie dat alles fluppt“.“ „Und der Schwan auch ganz etepetete.“ Alles sehr beeindruckend, aber dann noch nicht so das Richtige für den Mann aus dem Ruhrpott. Da geht er doch lieber auf die Herbstkirmes, wo ein riesiger Walfisch ausgestellt wird. Und der ist viel, viel größer als Wagners Schwan. „Aber is doch hochintressant, die zwei Tiere auf diese Weise ganz genau kennengelernt zu haben.“ Über weitere Opernbesuche des Adolf Tegtmeier ist nichts bekannt. Doch: den "Trobbadur" hat er auch gesehen...

(vgl. Jürgen von Manger: Bleibense Mensch! Träume, Reden und Gerede des Adolf Tegtmeier. München. Piper Verlag. 1966 . S. 27-33)

Dienstag, 20. Dezember 2016

Spektakuläres Pathos


Rüdiger Safranski hat in seinem Buch Romantik. Eine deutsche Affäre (2007) Richard Wagner ein langes Kapitel gewidmet. Aber hätten die Romantiker den Komponisten als einen Geistesgenossen gesehen? Was Ludwig Tieck betrifft, hat Klaus Günzel Zweifel angemeldet. Er schreibt, Tieck habe die Uraufführung des Rienzi noch miterlebt. „Im spektakulären Pathos dieser Oper und im autoritären Anspruch ihres gefeierten Schöpfers sah er (Tieck) alles das verkörpert und vom Publikum akzeptiert, was ein bürgerliches Nationaltheater seiner Meinung nach gerade nicht erstreben durfte: Verführung vom rauschhaften Affekt, Ausschaltung des besonnenen Kunstverstandes, Manipulierung des Zuschauers durch Effekte, Raffinement der künstlerischen Mittel, eine erschreckende Humorlosigkeit.“ Nun, Tieck galt zwar als der „König der Romantik“, was aber nicht heißt, dass andere Romantiker Wagner auch so gesehen hätten.

(Vgl. Klaus Günzel: König der Romantik. Das Leben des Dichters Ludwig Tieck... Berlin. 1981. S. 406)

Dienstag, 6. Dezember 2016

Zum Davonlaufen

Durch den Sumpf
Der irische Schriftsteller William Butler Yeats (1865 – 1939. Nobelpreis 1923) erwähnt in seiner Autobiographie einen Handlungsreisenden, der „Wagner schmähte“. Er sagte: „Ich würde zehn Meilen weit durch einen Sumpf vor ihm davonlaufen.“ Yeats zitiert das ohne Kommentar. Vielleicht war er auch dieser Meinung...

Vgl. W. B. Yeats: Autobiographien. Insel. Leipzig. 1984. S. 189