Dr. Heinrich Hoffmann, der Verfasser des Struwwelpeter, war im Hauptberuf Psychiater. In seinen Lebenserinnerungen berichtet, dass er Mai 1872 von Dr. Falke zur Nervenheilanstalt St. Gilgenberg berufen wurde, um im Fall eines Geisteskranken seinen Rat zu geben. Er berichtet: "Ich wohnte in dem Gasthof 'Zur Phantasie', einem kleinen, freundlichen Hotel, welches der Herzog von Württemberg in seinem großen Park gebaut hatte. Über mir wohnte damals Richard Wagner mit seiner Gattin Cosima. Ich hörte sie über mir oft lebhaft reden, und mich hielt man sogar für den großen Meister..." Leider hat Hoffmann keinen Kontakt zu den Wagners aufgenommen, denn sonst hätte er sicherlich ihnen von seinem Struwwelpeter erzählt, und Wagner hätte am Ende sogar eine Struwwelpeter-Oper geschrieben...
(cf. Struwwelpeter-Hoffmann erzählt aus seinem Leben. Lebenserinnerungen Dr. Heinrich Hoffmanns, hg. von Eduard Hessenberg. Ffm. 1926. Verlag Englert & Schlosser. S. 175f.)
Freitag, 8. November 2019
Montag, 4. November 2019
Gefährlicher Tristan
Wenn in Romanen oder
Novellen Wagner auftaucht, dann oft in Zusammenhang mit Sängerinnen und
Sängern. Ein Beispiel finden wir in Arthur Schnitzlers Novelle „Das Schicksal
des Freiherrn von Leisenbohg“. ‚Da kommt Sigurd Ölse, ein Sänger aus dem Norden’,
nach Wien, um an der dortigen Oper den Tristan zu singen. „Seine Stimme war
hell und kräftig, wenn auch nicht durchaus edel, seine Gestalt beinahe
übermenschlich groß, doch mit einer Neigung zur Fülle, sein Antlitz entbehrte
im Zustand der Ruhe wohl manchmal des besonderen Ausdrucks; aber sobald er
sang, leuchteten seine stahlgrauen Augen wie von einer geheimnisvollen inneren
Glut, und durch Stimme und Blick schien er alle, besonders die Frauen, wie in
einem Taumel zu sich hinzureißen.“ In diese Schilderung hat Schnitzler einige
negative Töne eingefügt: Seine Stimme war nicht durchaus edel... Vor diesem
Sänger muss man sich in Acht nehmen, was der Titelheld dieser Novelle zu spüren
bekommt. Letztlich verursacht Sigurd Ölse seinen Tod. Kein Wunder: Beide lieben
dieselbe Frau, die Sängerin Kläre Hell (Nomen est Omen?)
(Cf. Arthur Schnitzler:
Dämmerseelen. Berlin 1908. S. 19)
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