Donnerstag, 19. Februar 2015

Schach und Wagner



Wilhelm Steinitz (1836 – 1900) war, so sagen einige Kenner, der berühmteste Schachspieler. Beim Spiel summte er Wagner-Melodien, denn er verehrte den Meister. Der spanische Romancier Arturo Pérez-Reverte (*1951) erwähnt dies in seinem Roman „Das Geheimnis der schwarzen Dame“ („La tabla de Flandes“, 1990). Er schreibt weiter über Steinitz: „Mit sechzig Jahren behauptete er, in direkter Verbindung mit Gott zu stehen, er könne Gott sogar im Schach schlagen, sagte er, selbst wenn er Gott als Vorteil einen Bauern und die weißen Figuren einräumte.“ Steinitz starb in einem New Yorker Irrenhaus.  Ob man von ihm auf andere Wagnerianer schließen kann?
vgl. A. Pérez-Reverte: Das Geheimnis... rororo TB. 1994. S. 191f.

Mittwoch, 4. Februar 2015

Nur eine Note für Wagner


Francis Jammes: Intelligenz

   Eines Tages waren die Bücher, in denen sich die Gedanken der Menschen befanden, wie durch Zauberei verschwunden.
   Da versammelten sich die großen Wissenschaftler: die Großen der Mathematik, der Physik, der Chemie, der Astronomie, der Poesie, der Geschichtswissenschaft und die anderer Wissenschaften und Literaturen.
   Sie beratschlagten und verkündeten dann:
   „Wie sind die Hüter des Genies der Menschen, wir werden uns an alles erinnern, um alles in unsterblichen Marmor einzugravieren, die schönsten Erfindungen der Wissenschaftler und Dichter; aber nur die, die seit Anbeginn der Welt die höchsten Gipfel repräsentieren. Pascal wird nur das Recht auf einen Gedanken haben, Newton nur auf einen Stern, Darwin nur auf ein Insekt, Galilei nur auf ein Staubkorn, Tolstoi nur auf eine Mildtätigkeit, Heinrich Heine nur auf einen Vers, Shakespeare nur auf einen Schrei; Wagner nur auf eine Note...“
   Und wie sich dann zusammensetzten, um aus ihrem Gedächtnis die unersetzlichen Meisterwerke zur Weihe des Menschen zusammen zu tragen, stellten sie voller Entsetzen fest, dass ihre Köpfe leer waren.

Originaltitel: L'intelligence. in: F. Jammes: Le Roman du Lièvre... Paris. Mercure de France. 1938.
p. 260/61. Deutsch von Joachim Schultz