Francis Jammes: Intelligenz
Eines
Tages waren die Bücher, in denen sich die Gedanken der Menschen befanden, wie
durch Zauberei verschwunden.
Da
versammelten sich die großen Wissenschaftler: die Großen der Mathematik, der
Physik, der Chemie, der Astronomie, der Poesie, der Geschichtswissenschaft und
die anderer Wissenschaften und Literaturen.
Sie
beratschlagten und verkündeten dann:
„Wie
sind die Hüter des Genies der Menschen, wir werden uns an alles erinnern, um
alles in unsterblichen Marmor einzugravieren, die schönsten Erfindungen der
Wissenschaftler und Dichter; aber nur die, die seit Anbeginn der Welt die
höchsten Gipfel repräsentieren. Pascal wird nur das Recht auf einen Gedanken
haben, Newton nur auf einen Stern, Darwin nur auf ein Insekt, Galilei nur auf
ein Staubkorn, Tolstoi nur auf eine Mildtätigkeit, Heinrich Heine nur auf einen
Vers, Shakespeare nur auf einen Schrei; Wagner nur auf eine Note...“
Und wie
sich dann zusammensetzten, um aus ihrem Gedächtnis die unersetzlichen
Meisterwerke zur Weihe des Menschen zusammen zu tragen, stellten sie voller
Entsetzen fest, dass ihre Köpfe leer waren.
Originaltitel: L'intelligence. in: F. Jammes: Le Roman du Lièvre... Paris. Mercure de France. 1938.
p. 260/61. Deutsch von Joachim Schultz
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