Montag, 4. November 2019

Gefährlicher Tristan


Wenn in Romanen oder Novellen Wagner auftaucht, dann oft in Zusammenhang mit Sängerinnen und Sängern. Ein Beispiel finden wir in Arthur Schnitzlers Novelle „Das Schicksal des Freiherrn von Leisenbohg“. ‚Da kommt Sigurd Ölse, ein Sänger aus dem Norden’, nach Wien, um an der dortigen Oper den Tristan zu singen. „Seine Stimme war hell und kräftig, wenn auch nicht durchaus edel, seine Gestalt beinahe übermenschlich groß, doch mit einer Neigung zur Fülle, sein Antlitz entbehrte im Zustand der Ruhe wohl manchmal des besonderen Ausdrucks; aber sobald er sang, leuchteten seine stahlgrauen Augen wie von einer geheimnisvollen inneren Glut, und durch Stimme und Blick schien er alle, besonders die Frauen, wie in einem Taumel zu sich hinzureißen.“ In diese Schilderung hat Schnitzler einige negative Töne eingefügt: Seine Stimme war nicht durchaus edel... Vor diesem Sänger muss man sich in Acht nehmen, was der Titelheld dieser Novelle zu spüren bekommt. Letztlich verursacht Sigurd Ölse seinen Tod. Kein Wunder: Beide lieben dieselbe Frau, die Sängerin Kläre Hell (Nomen est Omen?)
(Cf. Arthur Schnitzler: Dämmerseelen. Berlin 1908. S. 19)

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