Dienstag, 20. Dezember 2016

Spektakuläres Pathos


Rüdiger Safranski hat in seinem Buch Romantik. Eine deutsche Affäre (2007) Richard Wagner ein langes Kapitel gewidmet. Aber hätten die Romantiker den Komponisten als einen Geistesgenossen gesehen? Was Ludwig Tieck betrifft, hat Klaus Günzel Zweifel angemeldet. Er schreibt, Tieck habe die Uraufführung des Rienzi noch miterlebt. „Im spektakulären Pathos dieser Oper und im autoritären Anspruch ihres gefeierten Schöpfers sah er (Tieck) alles das verkörpert und vom Publikum akzeptiert, was ein bürgerliches Nationaltheater seiner Meinung nach gerade nicht erstreben durfte: Verführung vom rauschhaften Affekt, Ausschaltung des besonnenen Kunstverstandes, Manipulierung des Zuschauers durch Effekte, Raffinement der künstlerischen Mittel, eine erschreckende Humorlosigkeit.“ Nun, Tieck galt zwar als der „König der Romantik“, was aber nicht heißt, dass andere Romantiker Wagner auch so gesehen hätten.

(Vgl. Klaus Günzel: König der Romantik. Das Leben des Dichters Ludwig Tieck... Berlin. 1981. S. 406)

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