„Carl
Einstein fordert, während er hermetische Texte publiziert, das Ende einer
autonomen Kunst – die er wiederum noch 1932 [...] selber initiiert hat.“ So
schrieb Fritz J. Raddatz über diesen ‚Propheten der Avantgarde’. (DIE ZEIT. 11.
12. 1992. S. 58) Ist von Carl Einstein (1885 – 1940) Positives über Richard
Wagner zu erwarten? In einem Text über das Theater aus seinem Nachlass findet
man einen bemerkenswerten Satz: „zwei ereignisse beschleunigten die heraufkunft
des modernen theaters. Die person Richard Wagner – die neue stilbewegung.
Wagners wesentliche leistung für das theater besteht wohl darin – dass er die
Einheit des Kunstwerks auch seiner Person zu beweisen vermochte und als
verbindung der verschiedenen Mittel, die ein Drama ausmachen, die Musik erkannte;
das musikalische in das allgemein r<h>yt<h>mische umzudeuten lag
nach dieser bestimmung nicht fern.“ Die Einheit des Kunstwerks sich selbst
beweisen – das kann doch nur spöttisch gemeint sein. Um dies zu belegen, könnte
man einen weiteren Satz aus dem Nachlass (aus einem Prosatext mit dem Titel
„Leda“) anführen. Hier geht es um eine Herzogin, die eine Art ‚Jardin des
malices’ unterhält, mit seltsamen Gestalten: „Durch den kunstvollen <...>
der Herzogin des malices douces huschten viele Fackeln geschwungen von den
merkwürdigen Geschöpfen der Herzogin. Kleine verkrüppelte <Männchen> - an
deren Hintern kleine Automaten befestigt waren die nach Einwurf eines
Geldstücks Isoldes Liebestod spielten und liebliche Genüsse bereiteten [...].“
Einem wahren Wagnerianer würde so etwas nie einfallen...
Zitate
aus: Carl Einstein, Werke Band 4. Texte aus dem Nachlass I. Hg. von Hermann
Haarmann und Klaus Siebenhaar. Berlin. Verlag Fannei & Walz. 1992. S. 99,
66.
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