Dienstag, 19. Juli 2016

Heuss kam nicht

Jedes Jahr zur Festspielzeit macht man sich in Bayreuth Sorgen: Kommen auch genügend Prominente zur Eröffnung? 2016 hat die Kanzlerin bekundet, sie komme nicht. Eine Katastrophe! Doch schon immer sind namhafte Politiker den Festspielen ferngeblieben. Etwa Theodor Heuss. Im Briefwechsel mit Konrad Adenauer bezeichnet letzterer Komplexe als etwas Minderwertiges. Heuss ist nicht dieser Meinung. Er schreibt in seinem Brief vom 28. April 1960: „Ich zum Beispiel besitze seit Jahrzehnten ‚Komplexe’, etwa gegen Richard Wagner oder Gustav Stresemann und habe damit nie etwas ‚Minderwertiges’ verknüpft.“ Heuss bezeichnet sich selber schon 1951 als ‚passionierten  Gegner von Bayreuth’. Er habe schon vorher abgelehnt, „den Spuren des Herrn Hitler auf den Festspielhügel und nach Wahnfried zu folgen“.
In den Anmerkungen zu dieser Briefstelle werden weitere Belege für diese Abneigung genannt und auch aus einem Brief vom 21. 8. 1951 zitiert: „Der Bundespräsident ist nicht nach Bayreuth gegangen. Er wäre auch nicht hingegangen, wenn er seinen Arm nicht gebrochen hätte.“
Zit nach: Th. Heuss / K. Adenauer: Unserem Vaterland zugute. Der Briefwechsel. Taschenbuchausgabe. München. Goldmann. 1992. S. 99, 349 u. 426.

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