Jedes Jahr zur Festspielzeit macht
man sich in Bayreuth Sorgen: Kommen auch genügend Prominente zur Eröffnung? 2016
hat die Kanzlerin bekundet, sie komme nicht. Eine Katastrophe! Doch schon immer
sind namhafte Politiker den Festspielen ferngeblieben. Etwa Theodor Heuss. Im
Briefwechsel mit Konrad Adenauer bezeichnet letzterer Komplexe als etwas
Minderwertiges. Heuss ist nicht dieser Meinung. Er schreibt in seinem Brief vom
28. April 1960: „Ich zum Beispiel besitze seit Jahrzehnten ‚Komplexe’, etwa
gegen Richard Wagner oder Gustav Stresemann und habe damit nie etwas ‚Minderwertiges’
verknüpft.“ Heuss bezeichnet sich selber schon 1951 als ‚passionierten Gegner von Bayreuth’. Er habe schon vorher
abgelehnt, „den Spuren des Herrn Hitler auf den Festspielhügel und nach
Wahnfried zu folgen“.
In den Anmerkungen zu dieser
Briefstelle werden weitere Belege für diese Abneigung genannt und auch aus
einem Brief vom 21. 8. 1951 zitiert: „Der Bundespräsident ist nicht nach
Bayreuth gegangen. Er wäre auch nicht hingegangen, wenn er seinen Arm nicht
gebrochen hätte.“
Zit nach: Th. Heuss / K. Adenauer:
Unserem Vaterland zugute. Der Briefwechsel. Taschenbuchausgabe. München.
Goldmann. 1992. S. 99, 349 u. 426.
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